Übersicht zum Karnischer Höhenweg
Der Karnische Höhenweg, auch bekannt als „Friedensweg“ oder KHW 403, verläuft entlang des Karnischen Hauptkamms, der die Grenze zwischen Österreich und Italien markiert. Die Route erstreckt sich von Sillian bis Thörl-Maglern über eine Länge von 156 km und ist in 8 bis 11 Tagesetappen unterteilt. Insgesamt werden rund 9100 Höhenmeter hoch und auch wieder bergab begangen. Der höchste begangene Berg ist die Pfannspitze mit 2678 Metern.
Östlich des Plöckenpasses zeigt sich die Landschaft sanft mit weitläufigen Almwiesen und leichten Wanderbergen. Im Gegensatz dazu führt der westliche Abschnitt entlang der höchsten Gipfel des Karnischen Kamms und ist alpinistisch besonders reizvoll. Die Grenze zwischen Österreich und Italien, die heute problemlos überquert werden kann, war während des Ersten Weltkriegs die einstige Frontlinie im Gebirgskrieg von 1915–1918. Noch heute zeugen zahlreiche historische Relikte von dieser Zeit: Verzweigte Schützengräben, Überreste alter Stellungen, in den Fels gehauene Bunker und Soldatenfriedhöfe.
Anfang Juli 2024 bin ich den alpinen Teil des Karnischen Höhenwegs Richtung Westen gewandert. In sechs Tagen ging es vom Plöckenpass nach Vierschach. Übernachtet habe ich in den Hütten des gut ausgebauten Hüttennetzes entlang des Karnischen Hauptkamms. Insgesamt legte ich 73 Kilometer und etwa 4.600 Höhenmeter zurück.
Tag 1: Zum Wolayersee durch Nebel & Schnee
Startpunkt: Plöckenpass
Endpunkt: Wolayerseehütte
Distanz / Höhenmeter: 7 km / 1050 m bergauf, 180 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: Schotterstraße und einfacher Bergweg
Persönliche Erfahrung: Schöne Einstiegstour und traumhafte Lage der Wolayerseehütte
Mit dem Wanderbus fahre ich von Kötschach-Mauthen bis zur Haltestelle „Kreuztratten Abzweigung Valentinalm“. Von dort führt mich der Weg zunächst über eine Schotterstraße – mit herrlichem Blick auf die mächtige Kellerwand – vorbei an der Unteren Valentinalm. In zahlreichen Serpentinen geht es weiter bergauf, wer es sportlicher mag, kann den Weg über einen steilen Waldpfad abkürzen. Unterwegs begegnen mir sogar ein paar neugierige Murmeltiere.
Der Aufstieg wird zunehmend steiler, und in den frühen Sommermonaten sind noch einige Schneefelder zu queren. Am Valentintörl angekommen, stehe ich schließlich mitten im dichten Nebel.
Beim Abstieg zum Wolayersee wechsle ich immer wieder zwischen Schneefeldern und dem Wanderweg. Wer früher am Wolayersee ankommt, hat die Möglichkeit, den Rauchkofel zu besteigen oder den idyllischen Rundweg um den See zu genießen. Doch Nebel, Regen und Wind machen mir einen Strich durch die Rechnung. So bleibt mir nur, das Panorama des Sees gemütlich aus dem warmen Gastraum der Wolayerseehütte zu bewundern.
Tag 2: Regen, Hagel und Gewitter – Wanderung zum Hochweißsteinhaus
Startpunkt: Wolayerseehütte
Endpunkt: Hochweißsteinhaus
Distanz / Höhenmeter: 14 km / 850 m bergauf, 950 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: größtenteils einfache Wanderwege, nur gelegentlich schmale Passagen und ein Geröllfeld
Persönliche Erfahrung: abwechslungsreiche Etappe, der Aufstieg zum Öfner Joch am Ende der Etappe kann etwas fordernd sein
Am nächsten Morgen liegt weiterhin dichter Nebel über den Bergen und versperrt die Sicht auf die Biegenköpfe. Auf einer Schotterstraße geht es das Wolayertal bergab. In der Ferne grollt immer wieder der Donner, Blitze leuchten durch den Nebel. Dann geht alles ganz schnell –Starkregen setzt ein, dazu Hagel. Ich warte das Schlimmste ab, bevor ich den Aufstieg zum Passo Giramondo angehe.
Nach einer kurzen Regenpause geht’s über ein Geröllfeld mit Blick auf den Lago di Bordaglia. Am Lago Pero lege ich eine Pause ein, doch schon bald setzt wieder Regen ein. Der schmale Weg beim Abstieg ins Fleonstal wird zum kleinen Bach. Am Talschluss stehen noch 500 Höhenmeter hoch zum Öfner Joch an. Das Gewitter wird wieder stärker. Dann der Abstieg zum Hochweißsteinhaus – ein willkommenes Ziel nach diesem wettergeprägten Tag.
Tag 3: Auf der Königsetappe
Startpunkt: Hochweißsteinhaus
Endpunkt: Porze-Hütte
Distanz / Höhenmeter: 18 km / 1200 m bergauf, 1100 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: mittelschwere Etappe mit langer Distanz. Am Kamm sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, es gibt kurze, einfache Kraxelstellen
Persönliche Erfahrung: Grandiose Ausblicke und echtes Höhenweg-Feeling
Heute steht die Etappe mit den besten Aussichten an. Das Wetter wird besser, und die Sonne kommt endlich raus. Meine Schuhe sind vom Vortag noch nass, obwohl sie im Trockenraum mit Zeitungspapier gefüllt waren.
Zuerst geht’s 700 Höhenmeter rauf zum Luggauer Sattel, danach folge ich dem Kamm. Ab jetzt gibt es nur noch kurzen Bergauf- und Bergabpassagen – wie ein klassischer Höhenweg. Erst nach 3 ½ Stunden treffe ich den ersten Wanderer, der von der Porze Hütte entgegenkommt. Der Abstieg vom Tilliacher Joch führt mich dann zur Porze Hütte, wo ich die Abendsonne auf der Terrasse genieße. Wer noch Kraft hat, kann die 250 Höhenmeter zum Klapfsee absteigen und baden gehen oder einfach die Landschaft genießen.
Tag 4: Nebel auf dem Weg zur Obstanserseehütte
Startpunkt: Porze-Hütte
Endpunkt: Obstansersee-Hütte
Distanz / Höhenmeter: 11 km / 950 m bergauf, 600 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: Technisch schwierige Etappe ab Filmoor-Standschützenhütte, mit schmalen, teils ausgesetzten Wegen und leichten Kraxeleien zur Pfannspitze
Persönliche Erfahrung: Kürzere, aber spannende Etappe mit alpinem Charakter
Am nächsten Morgen hat der Nebel wieder zugezogen. Von der Hütte folge ich dem Weg der parralel zum Hang verläuft, bis sich der Weg zu einer markanten Stromtrasse hinaufschlängelt. Danach geht es flach dahin und wandere durch wunderbare Almrauschbüsche. Nach einer Weile komme ich am Oberen Stuckensee vorbei, ehe ich über einen kurzen steilen Aufstieg zur Filmoor-Standschützenhütte komme. Kurz vor der Hütte verläuft der Weg durch eine sumpfartige Wiese, die durch die Regenfälle der letzten Tage gatschig waren.
Der Nebel blockiert das Panorama auf die Große Kinigat. Bei gutem Wetter und schwindelfrei ist kann sie auch besteigen. Der Klettersteig ist seilversichert und benötigt keine Kletterausrüstung., Ich folge dem schmalen Weg der unterhalb der Felswände verläuft und ein Geröllfeld quert. An dieser Wegpassage ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Der Aufstieg zur Pfannspitze erfordert leichte Kraxelein. Am Abstieg zur Obstanserseehütte, die vom Gipfel bereits gesehen werden kann folge ich einem langen Schneefeld, auf dem ich mehrere hundert Meter den Hang herunterrutsche – was sicherlich Spaß gemacht hat.
Tag 5: Am Kammweg zur Sillianer Hütte
Startpunkt: Obstansersee-Hütte
Endpunkt: Sillianer Hütte
Distanz / Höhenmeter: 9 km / 500 m bergauf, 350 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: Einfache bis mittelschwere Etappe mit kurzen Anstiegen und gut begehbaren Wanderwegen
Persönliche Erfahrung: Kurze Etappe mit traumhaften Panoramablicken auf die Sextener Dolomiten, Zusatzgipfel bieten lohnende Möglichkeiten für kleine Abstecher
Der Tag beginnt mit frischen 2 Grad. Doch mit jedem Schritt bergauf wird mir wärmer, und die ersten Sonnenstrahlen kommen endlich aus dem schattigen Seekessel hervor, während ich mich dem Eisenreich nähere. Entlang des Kamms gibt es die Möglichkeit für ein paar Zusatzgipfel, zum Beispiel die Schöntalspitze. Am Hochgräntensee ist Zeit für eine Pause, bevor es weiter zum Hornischegg geht. Von dort aus eröffnet sich ein beeindruckender Panoramablick auf die Sextener Dolomiten – mit den markanten Drei Zinnen, der Dreischusterspitze und der Sextener Rotwand.
Auch die Überreste alter Kriegsstellungen aus dem Ersten Weltkrieg sind hier gut zu erkennen. Schon zu Mittag komme ich bei der Hütte an und nutze die Gelegenheit für eine zusätzliche Tour zum Heimkehrerkreuz. Danach eine gemütliche Mittagsrast am Füllhorn, während die letzten Tageswanderer schon ins Tal verschwunden waren – absolute Ruhe. Am Abend machte ich noch einen kleinen Spaziergang auf die Hochgruben, um die Abendstimmung zu genießen. Leider verhinderte eine dichte Wolkendecke den Sonnenuntergang. Die Stille und Weite der Berge machten den Moment trotzdem besonders.
Tag 6: Abstieg ins Tal
Startpunkt: Sillianer Hütte
Endpunkt: Vierschach
Distanz / Höhenmeter: 12 km / 50 m bergauf, 1350 m bergab
GPX-Track: zur Route auf Komoot
Schwierigkeit: Leichte Etappe mit starkem Höhenverlust, lange Serpentinen auf Schotterstraßen, technisch unkompliziert
Persönliche Erfahrung: Langer Abstieg durch schöne Nadelwälder. Begegnungen mit Tagestouristen und Baustellen trüben etwas die Ruhe, ansonsten ein entspannter Abschluss der Wanderwoche
Bei strahlendem Sonnenschein starte ich den Abstieg ins Tal – 1350 Höhenmeter warten noch auf mich. Vorbei an der Ruine am Helm, entdecke ich weitere Kriegsstellungen. Je weiter ich komme, desto mehr Tagestouristen strömen mir von den Bergstationen der Seilbahnen entgegen. Der Lärm von Bauarbeiten ist ungewohnt und stört die sonst so friedliche Atmosphäre.
Auf einer Schotterstraße geht es in Serpentinen bergab, umgeben von dichten, grünen Nadelwäldern, die fast den Eindruck erwecken, ich wäre in Skandinavien. In Vierschach angekommen suche ich mir im Schatten der Pfarrkirche Schutz vor der Mittagssonne und lege eine Pause ein. Danach geht’s mit dem Zug über Lienz zurück nach Hause.
Etappen
Hier findest du eine Übersicht über alle Etappen des Karnischen Höhenwegs in Gehrichtung Ost nach West – inklusive des östlichen Abschnitts. Die Angaben zu Distanz, Gehzeit sowie den zu bewältigenden Höhenmetern erleichtern dir die Planung und vermitteln einen realistischen Eindruck von den Anforderungen dieser Tour.
| Startpunkt | Endpunkt | Dauer | Distanz |
| Thörl-Maglern | Rifugio Fratelli Nordio | 8h | 20 km 1.780 m ↑ 1.020 m ↓ |
| Rifugio Fratelli Nordio | Nassfeld | 8h | 24 km 1.210 m ↑ 1.070 m ↓ |
| Nassfeld | Zollnerseehütte | 8h | 24 km 1.210 m ↑ 1.070 m ↓ |
| Zollnerseehütte | Wolayerseehütte | 9h | 24,5 km 1.830 m ↑ 1.610 m ↓ |
| Wolayerseehütte | Hochweißsteinhaus | 6 h | 14,5 km 870 m ↑ 960 m ↓ |
| Hochweißsteinhaus | Porze-Hütte | 8 h | 17,5 km 1.200 m ↑ 1.110 m ↓ |
| Porze-Hütte | Obstansersee-Hütte | 5 h | 11,5 km 930 m ↑ 570 m ↓ |
| Obstansersee-Hütte | Sillianer Hütte | 4h | 9 km 380 m ↑ 510m ↓ |
| Sillianer Hütte | Sillian | 2h | 8,5 km 0 m ↑ 1.340 m ↓ |
Kartenmaterial und Führer
Für eine gute Vorbereitung und zusätzliche Orientierung unterwegs empfehlenswert:
Orientierung auf dem Karnischen Höhenweg
Der Karnische Höhenweg ist durchgehend mit Wegschildern markiert und folgt dem Wanderweg 403. Da der Weg die meiste Zeit geradeaus verläuft, ist es eher schwierig, sich zu verlaufen. Trotzdem ist es sinnvoll, eine Wander-App zur Navigation zu nutzen.
Unterkünfte auf dem Karnischen Höhenweg
Es ist ratsam die Hütten im Vorhinein zu reservieren, da sie in der Hauptsaison schnell ausgebucht sind.
Schwierigkeit des Wanderweges
Der Karnische Höhenweg wird als mittelschwer eingestuft und verläuft größtenteils auf einfachen Wegen. Dennoch sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, da vereinzelt leichte Kletterpassagen vorkommen. Eine gute Grundkondition ist ebenfalls notwendig.
Beste Reisezeit
Die optimale Reisezeit für den Karnischen Höhenweg liegt zwischen Ende Juni und Ende September. In diesem Zeitraum sind alle Hütten entlang des Weges geöffnet, und bis Ende September lässt sich die Tour meist noch vor dem ersten Schnee und den kühleren Temperaturen abschließen.
Ich selbst war Ende Juni bis Anfang Juli unterwegs. Vereinzelt gab es noch Altschneefelder, die jedoch meist keine gefährlichen Passagen betrafen. Zudem geriet ich in Wärmegewitter mit Hagel. Besonders in den Sommermonaten Juli und August sind solche Gewitter häufig, und die Sonneneinstrahlung sowie die Temperaturen können auf den oft schattenlosen Wegen tagsüber sehr hoch sein. Der September ist meiner Meinung der ideale Monat, da das Wetter stabiler ist, die Temperaturen angenehmer sind und weniger Wanderer unterwegs sind.
Ausrüstung
Für die passende Ausrüstung für den Karnischen Höhenweg schau dir gerne meine Packliste für eine mehrtägige Hüttentour an. Auf jeden Fall mit haben solltest du ein Hüttenschlafsack, Ersatzkleidung, Waschzeug, ein Notfall-Biwaksack, eine Regenjacke oder ein Poncho sowie dein Alpenvereinsausweis.
Anreise/Abreise
Start- und Zielpunkt
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Hängt von der gewählten Gehrichtung ab.
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Wer nur den alpinen Abschnitt wandert, kann die Tour auch am Plöckenpass beginnen oder beenden.
Wanderbus
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Verkehrt zweimal täglich von/nach Kötschach-Mauthen (Vormittag & Nachmittag).
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Aktuelle Fahrpläne: mobilbuero.com
Anreise nach Kötschach-Mauthen
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Mit Bus von Oberdrauburg oder Hermagor erreichbar.
Anreise nach Thörl-Maglern
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Zug: zweimal täglich ab Villach Hauptbahnhof.
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Alternativ Bus von den Bahnhöfen Arnoldstein oder Nötsch.
Abreise
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Vom Bahnhof Sillian oder Vierschach fahren Züge nach Lienz bzw. Bruneck in Südtirol.
Wasserversorgung und Proviant
Wasserquellen entlang des Weges sind selten. Deshalb empfehle ich immer bei den Hütten genügend Wasser mitzunehmen. Am besten mindestens 2 Liter mitnehmen. In manchen Hütten kann man das Leitungswasser trinken. Bei anderen kannst du beim Brunnen vor der Hütte deine Wasservorräte auffüllen.
Die Essensversorgung erfolgt über die Hütten. Durch Orte mit Supermarkten führt der Weg nicht vorbei. In allen Hütten bekommst du ein Frühstücksbuffet und zu Abend ein 3-gäniges Abendessen. Für untertags eignen sich Snacks wie Nüsse, Trockenfrüchte, Obst und Energie bzw. Müsliriegel. Alternativ kannst du dir ein Lunch-Paket zusammenstellen lassen, das etwa aus Brot mit Wurst und/oder Käse, Obst und Snackriegel besteht.
Fazit
Am meisten am Karnischen Höhenweg gefällt mir das Gefühl der Abgeschiedenheit. Der Weg folgt durchgehend dem Hauptkamm, ohne ins Tal abzusteigen oder an Ortschaften vorbeizukommen. Die topmodernen Hütten bieten dabei besten Komfort. Da jeder der den Weg geht in denselben Hütten nächtigt, trifft man immer dieselben Leute.
